Geschichte

Geschichte

 

Drei Kreise mit insgesamt acht Kommunen blicken 2019 auf ihre Stadtrechtsverleihung vor 300 Jahren zurück. Im kollektiven Gedächtnis der Städte ist das Jahr 1719 verankert.

Am 17. April 1719 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I. ein für die westfälische Geschichte äußerst bedeutsames Dekret: Der König erklärte die ehemaligen Flecken, Weichbilder und Dörfer Borgholzhausen, Halle (i. Westf.), (Preußisch) Oldendorf, Versmold, Vlotho und Werther zu Städten. Wenige Wochen später gelang es auch Bünde und Enger, die Stadtgerechtigkeit zu gewinnen.
An Stelle der gebräuchlichen Steuerarten führte der Landesherr außerdem die Akzise, eine indirekte Steuer, als eine allumfassende, bei einer Kaufhandlung oder Eigentumsübertragung zu entrichtende Steuer ein. Daher bekamen diese Städte in der geschichtswissenschaftlichen Forschung den Namen „Akzisestädte“. Die alten Steuern blieben nur auf dem Land bestehen. Somit bewirkte die Stadterhebung eine steuerliche Trennung der Stadt vom Land.

Es entstand eine Art Trennung zwischen Stadt und Land:

  • gebräuchliche Steuern, etwa Kontribution, Rauch- und Viehschatz, blieben nur auf dem Land bestehen
  • Gewerbe und Handel wurden nur in den Städten betrieben, Landhandwerk wurde verboten
  • Den Vögten, die bislang die untersten Verwaltungsbeamten in der Grafschaft waren, wurde die Zuständigkeit für die Städte entzogen – diese unterstanden fortan einem städtischen Beamten sowie einem städtischen Magistrat, die direkt der landeherrlichen Verwaltung zugeordnet waren

Bedeutung der neuen Städte:

  • Als Verwaltungssitze und Kristallisationspunkte landesherrlicher Macht
  • Wirtschaftliches Wachstum und wachsendes Steueraufkommen
  • Amtssitz und Wohnort für preußische Amtsmänner

In der Praxis konnten diese Ziele jedoch nur bedingt umgesetzt werden. Topographisch ließen sich die neuen Städte kaum von Dörfern unterscheiden, die Häuser waren mit Stroh gedeckt und eine Stadtmauer gab es nicht.

Doch trotz der geringen Unterschiede zwischen Stadt und Land lohnt es sich, das Phänomen „Akzisestadt“ zu erforschen. Es ist gerade die historische Andersartigkeit dieses Stadttyps gegenüber heutigen Stadtbildern, die das Thema so spannend macht. Die acht neuen Städte in Ravensberg sind ein hervorragendes Signum ihrer Epoche; einer Epoche, die wie kaum eine andere die ganze Ambiguität der Frühen Neuzeit bündelt. Aufbruch und Beharrung, Altes und Neues standen in jener Zeit dicht beieinander. Die Stadtgründung vor bald 300 Jahren zeugt von diesen historischen Umständen in exzellenter Weise. Sich mit der Entwicklung der neuen Städte zu beschäftigen, heißt also, enorm viel über die Geschichte eines Ortes, der Grafschaft Ravensberg, des Königreichs Preußens und seiner Bewohner und deren Gedankenwelt zu lernen.

 

2019 wird dieses historische Ereignis gefeiert:

Unter dem Motto: 
„Acht Städte, drei Kreise, eine Geschichte“
sind gemeinsame Projekte geplant

  • im Kreis Gütersloh: in Borgholzhausen, Halle, Versmold und Werther
  • im Kreis Herford: in Bünde, Enger und Vlotho
  • im Kreis Minden-Lübbecke: in Preußisch-Oldendorf.

Die vier Kommunen des Kreises Gütersloh haben sich nun zusammengetan, um dieses Ereignis und ihre Auswirkungen in Erinnerung zu rufen und zu zelebrieren.

 

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.netzwerk-preussen-in-westfalen.de
Das Netzwerk „Preußen in Westfalen“ bietet einen Überblick über die vielfältige preußische Geschichte in Westfalen. An vielen sichtbaren, aber auch versteckten Spuren lässt sich diese besondere Vergangenheit ablesen. Grund genug, sich mit dem Netzwerk auf eine Entdeckungsreise durch Westfalen zu begeben!